Die Hauskatze im Wandel der Jahrhunderte


Sie gehören zu unserem alltäglichen Leben; wir nehmen oft nicht einmal ihre Anwesenheit wahr; und doch sind sie da – die Hauskatzen.

Oft werden sie geschmäht und abgewertet, dabei sind sie DIE Katzenrasse schlechthin. Denn ohne sie würde es die heutige Vielfalt der Rassekatzen nicht geben.

Ganz am Anfang der Entwicklung stand ein wieselähnliches Raubtier namens „Miacis“, welches als gemeinsamer Vorfahr von Hund und Katze gilt. Das Raubtier Katze nahm seinen Weg und entwickelte sich im Laufe von vielen Millionen Jahren bis hin zur heute bekannten Vielfalt der Gattung „Felis“.

Die frühen Siedler ernährten sich überwiegend durch Ackerbau. Sehr oft wurde ihre geringe Ausbeute an Nahrungsmittel durch Schädlinge wie Mäuse und Ratten noch dezimiert. Und hier traten die Katzen auf den Plan. Zuerst waren sie nur in dem Lebensumfeld der Siedler anzutreffen; dann aber erkannten sie die Gunst der Stunde und gingen mit den Menschen eine Symbiose ein. Die Katzen sicherten die Getreidevorräte gegen diverse Nagetiere und somit war die Grundernährung der Menschen gesichert.

Seit jener Zeit gilt die Hauskatze als ein Wandler zwischen den Welten – sie ist das brave fügsame Haustier; kann aber innerhalb weniger Augenblicke zu eine selbständigen Wesen mit unbändigem Freiheitsdrang wechseln. Dies macht auch einen Teil der Faszination des Wesens Katze aus. Auf der einen Seite das schnurrende Fellbündel, welches sich stundenlang streicheln lässt. Dem gegenüber steht der wilde ungezähmte Jäger, der stundenlang seine Beute belauert um dann im geeigneten Moment zuzuschlagen.

Ihre Fähigkeiten bei der Jagd und ihr anschmiegsames Wesen sowie auch ihre stattliche Erscheinung haben unseren Katzen im alten Ägypten – das auch die Kornkammer der Welt genannt wurde – den Ruf einer Gottheit eingebracht. Die alten Ägypter hatten ihren Stellenwert erkannt und sahen in ihr den Beschützer des Hauses. Unzählige Tempel mit Katzenstatuen bezeugen den hohen Rang der Katzen in diesem Zeitalter. Auf die Misshandlung oder auf die Tötung einer Katze standen empfindliche Strafen.

Auch auf anderen Kontinenten waren Katzen beheimatet; deren Status aber teilweise recht fragwürdig gehandhabt wurde. So war z. B. im alten Japan eine Katze lediglich ein Statussymbol, das den Reichtum seines Besitzers repräsentieren sollte. Demzufolge wurden die Katzen in Käfigen oft stundenlang durch die Straßen getragen. Auch wurden Katzen innerhalb des Hochadels regelrecht als „Orden“ verliehen.

Das „Produkt Katze“ entwickelte sich vor allem in Ägypten zum Exportschlager. Findige Händler entdeckten sehr schnell, dass viele Ausländer fasziniert von den samtpfötigen Hausgenossen waren. So trat die Katze ihren Siegeszug nach Europa an – von Ägypten und der Türkei über Italien bis nach Großbritannien.

Leider konnten unsere vierbeinigen Hausgenossen ihren hohen Status in Europa nicht mehr lange halten – im Mittelalter mussten die Katzen sehr viel erdulden. Im Zuge der Hexenjagden und –verbrennungen ließen sehr viele Tiere ihr Leben – geopfert dem Wahn einer kranken Zeit. Die damaligen Hierarchien ließen Wesen, die ihr Leben eigenständig und unabhängig leben wollten, nicht viel Platz. Vor allem schwarze Katzen wurden auf das heftigste verfolgt gequält und schließlich hingemetzelt; aufgrund der Fellfarbe wurde ihnen angedichtet, der Teufel in Tiergestalt zu sein.

Diese grausamen Morde an den Katzen sollte aber noch eine viel schlimmere Konsequenz nach sich ziehen. Aufgrund der stark dezimierten Anzahl von Katzen nahm die Rattenpopulation überhand. Dies war auch maßgeblich der Grund, dass die Pest in Europa ausbrach und viele Menschen das Leben kostete.

Doch glücklicherweise ist das „Tier Mensch“ fähig, sich weiter zu entwickeln. Aber trotzdem ist das Verhältnis des Menschen zur Katze immer noch sehr gespalten. Auf der einen Seite gibt es die Sorte Mensch, welcher die Katze im besten Falle noch als Nutztier sieht, sprich als Mäusefänger. Eine Katze hat keinerlei Rechte und es wird der Verlust eines Tieres auch nicht bedauert, denn es gibt ja noch genügend davon. Die andere „Gattung Mensch“ sieht in der Katze ein gleichberechtigtes Lebewesen, mit dem man gerne seine Zeit verbringt.

Es gibt ein Sprichwort, welches besagt, dass der Grad der Zivilisation einer Gesellschaft daran ersichtlich ist, wie sie mit ihren Tieren umgeht.

Wir Menschen sind die stärkste Gattung der Säugetiere auf diesem Planeten und es war schon zu allen Zeiten so, dass die Starken über die Schwachen bestimmt haben.

In unserem Falle bedeutet dies, Verantwortung für kleinere Lebewesen zu übernehmen. Wir müssen endlich lernen, unsere Gleichgültigkeit gegenüber unseren Mitgeschöpfen abzulegen.